Samstag, 20. Januar 2007
Weiße Berge, weiße Adler
Ich habe noch gar nicht erzählt, daß wir letzten
auf Adlerbesichtigung waren. Wir das ist Familie Spaulding und ich.
Schon die Fahrt daraus von vielleicht 1,5 Stunden war traumhaft schön. Es ging zwar über eine vielbefahrene Landstraße, die gerade für die Olympischen Spiele 2010 ausgebaut wird, doch unmittelbar rechts davon erhoben sich imposante Klippen und einige Meter links von der Straße befand sich der Pacific. Voraus konnte man die ganze Zeit schneebedeckte Berge im Sonnenschein betrachten.
Dort angekommen stellte sich heraus, daß die Adler nicht beabsichtigen irgendwelche Touristenattraktionen aufzuführen oder uns auch nur über den Flußhinweg ein wenig näher zu kommen. So gestaltete sich das Herausfinden, was jetzt ein Ast und was ein Adler war, recht schwierig.
Zum Glück handelte es sich nicht um die europäische Art der Steinadler sondern deren amerikanischen Pendant den Weißkopfseeadler. Wahrscheinlich hat sich Mutter Natur gedacht, so ein Weißer Kopf macht sich besonders gut in dem Wappen eines großen Staates. So waren wenigstens ein paar auszumachen.
Die Anzahl der adler wird auch ständig streng kontrolliert. So waren es, als wir dort waren über 100, wenn ich die Tabelle richtig lese.
Später sind wir dann noch in ein idyllisches Fischerdörfchen gefahren, daß irgendwann in den 1950ern eine Straßenverbindung erhalten hat. Wir waren nett essen, ich hatte einen Hamburger mit Bär- und Hirschfleisch.
Wir haben Steine übers Wasser springen lassen, und dann neigte sich ein schöner Tag bereits seinem Ende zu.
Montag, 15. Januar 2007
Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz
Wie Ihr ja schon mitbekommen habt, esse ich hier mit Vorliebe Sushi. Ich wollte auch immer mal Sashimi probieren. Fuer alldiejenigen unter Euch, die meine Vorliebe fuer die japanische Kueche nicht teilen, sei hier erwaehnt, dass es sich dabei um rohen, unbehandelten Fisch handelt. Er wird gefangen, meistens einmal eingefroren, in kleine Stuecke geschnitten und gegessen. Natuerlich kann es darin noch alle moeglichen Arten von Bakterien und Parasiten geben. Deswegen war ich etwas skeptisch und habe mehrfach Leuet gefragt. Die Antwort war einhellig, es habe noch nie Probleme in Vancouver gegeben, aber wenn ich ganz sicher gehen wolle, muesse ich den Fisch eben selbst zubereiten.
Ich habe mehrfach Sashimi gegessen und es hat gut geschmeckt und ist mir wohl bekommen. Dann habe ich mich mal daran gemacht selbst zu kochen, zum ersten Mal hier in Kanada. Garnelen habe ich mir ausgesucht, die haben auch lecker geschmeckt. Ich dachte mir nur, den Rest kann ich ja auch morgen essen...
Es hat so uebel gestunken, wie frischer Fisch, der seit zwei Wochen auf dem Ochsenkarren aus Lutetia ans Meer unterwegs ist. Verleihnix haette sich richtig wohl gefuehlt.
Donnerstag, 11. Januar 2007
1 Tag Bewerbungen, 4 Jobangebote und 2 Firmen nicht zurueckgerufen
Am Samstag hatte ich zahlreiche Bewerbungen verschickt - und siehe da, es haben sich verschiedene Dinge ereignet.
Gestern hatte ich ein Bewerbungsgespraech, bei dem ich zwar ab und zu Muell geredet habe, dennoch hatte ich ein gutes Gefuehl, und tatsaechlich haben die heute angerufen und sie wollen mich haben. Das waere fuer ein Toursimusunternehmen, Gaeste am Flughafen abholen, Touren machen, Buerodienst.
Dann habe ich ein langes Telefonat gehabt. Am Montag soll ich mal vorbei kommen. Da muestte ich Filme auf DVD vervielfaeltigen und dann mit dem Auto nach Seattle fahren, um die dort zu verschiffen. Das ist ein kleines Familienunternehmen, das selbst seit Jahren Filme dreht. Ich habe nicht nachgefragt, aber welche Art von Filmen koennte das wohl sein, die ein Ehepaar zu Hause aufnimmt und dann in alle Welt verschickt? :-)
Das Dritte, waere in einer Softwarefirma. Die uerbersetzen amerikanische Computerspiele und machen den Online-Support fuer den europaeischen Markt. Ich koennte da entweder als Uebersetzer anfangen, oder als online Spielleiter.
Dann soll ich noch eine Sicherheitsfirma und ein Hypotheken- und Kreditunternehmen zurueckrufen. Was ich gar nicht erst getan habe.
Den besten Verdienst gaebe es als Fahrer. Da habe ich bereits einen ueberdurchschnittlichen Anfangslohn und "Benefits" (Lohnnebenkosten, wie Krankenversicherung etc.) ausgehandelt. Und es waere bestimmt auch interessant in diesem Bereich der Filmindustrie zu arbeiten. Angenommen habe ich aber schliesslich den Job bei der Computerspiele-Firma. Spiele spielen und dafuer auch noch Geld zu bekommen (wenn leider auch recht wenig), hat sich einfach zu gut angehoert. Heute habe ich den Vertrag bekommen, morgen habe ich ein Gespraech mit meinem direkten Vorgesetzten und am Montag soll ich dann anfangen. Juchu!
Sonntag, 7. Januar 2007
Unfall
Bis ich an eine grosse Kreuzzung kam. Neben mir stand ein alter Mann. Ich wartete, dass die Ampel auf weiss (in Kanada gibt es kein gruen fuer Fussgaenger) umschaltete. Er wartete nicht. Er schaute zur Ampel, dann nach links und rechts und ging los. Nach etwa zwei Metern bekamen die Autos gruen. Der Mann fing an zu laufen. An der Mittelinsel blieb er nicht stehen, sondern beschleunigte nochmal seinen Gang, die ganze Zeit zur Ampel und auf die Autos zu seiner Rechten blickend. Die ersten beiden Fahrspuren ueberquerte er, auf der dritten erwischte ihn der langsam anfahrende Bus.
Als ich kurz drauf um den stehenden Bus herumging, sah ich den Mann dort in seinem Blut liegen. Ich frage einen Passanten, ob jemand den Krankenwagen gerufen haette. Der Busfahrer war gerade dabei. Der Mann atmete noch, dass sah man ein wenig an seinem Brustkorb, vor allem aber daran, dass in regelmaessigen Abstaenden Blut aus seiner Nase schoss.
Es dauerte ein paar Minuten, dann fing der Mann an sich zu bewegen. Jetzt sah ich, dass sein linkes Augenlid geschlossen war, darunter aber etwas war, dass die Groesse eines Tischtennisballes hatte. Ich hoffte fuer ihn, dass es Blut und nicht sein Auge war.
Der Verletzte hatte scheinbar Probleme mit seinem Gebiss. Die eine Haelfte seiner dritten Zaehne war auf die Strasse geflogen, die andere Haelfte befand sich aber noch in seinem Mund. Sollte ich sie rausholen? Konnte er sich daran verschlucken oder hinderte sie ihn beim atmen? Ich tat nichts. Nicht so sehr aus medizinischen Gruenden, als vielmehr, weil ich mich nicht traute in all das Blut in seinem Gesicht zu fassen. Das kann ich beim naechsten Mal noch besser machen.
Ein Passant kam hinzu und bald auch die Polizei. Mittlerweile wollte der Mann immer wieder aufstehen. Doch das ist ja nach so einem Unfall zu gefaehrlich. Wenn er einen Bruch der Wirbelsaeule oder des Schaedels hat, kann eine einfache Bewegung ihn umbringen. So standen wir zu dritt ueber dem Mann, versuchten auf ihn einzureden und ihn immer wieder sanft aber bestimmt auf den Boden zu druecken.
Als naechstes kam die Feuerwehr. Die versorgten seine Wunde von aussen, liessen ihn aber auch noch liegen. Dann endlich kam der Krankenwagen. Nach einem kurzen Check nahmen die ihn mit.
Dem Busfahrer schien es einigermassen gut zu gehen. Ich erklaerte ihm, dass der Mann bei rot ueber die Strasse gelaufen ist und gab ihm meine Telefonnummer. Dann ging ich.
Nach einer Dreiviertelstunde bekam ich einen Anruf von der Polizei, ich moechte bitte wieder zurueckkommen, um meine Zeugenaussage zu machen. Ich tat wie mir geheissen. In einem Polizeiauto musste ich dann alles selbst aufschreiben. Die Beamten hier duerfen einem scheinbar nicht dabei helfen, damit sie nicht in den Verdacht der Einflussnahme kommen. So erfuhr die Polizei zum ersten Mal, woher der Mann ueberhaupt gekommen ist, und wie der Ablauf des Ganzen war. Der Busfahrer hatte gar nichts gesehen und andere Zeugen gab es scheinbar auch nicht.
So war die Polizei sehr dankbar und ich erfuhr so nebenbei, dass in dem Nachbarschaftszentrum am Ende meiner Strasse auch ein kleines Polizeibuero ist. Dort gibt es auch einige Freiwillige, die z.B. Radarfallen aufstellen und andere interessante Sachen machen. Vielleicht sollte ich mich dort einmal melden.
Am naechsten Tag hat mich die Beamtin dann noch angerufen, um mir zu berichten, dass der Mann Rippenbrueche und einen Bruch des Jochbeines hat, ausserdem ein Blutgerinsel im Kopf. Nichts davon sei aber mehr lebensgefaehrlich. Er hatte es ueberlebt.
Donnerstag, 4. Januar 2007
Geld ist das Teuerste oder eine Geschichte von Huehnern und Eiern
Aber, wie bekommt man denn so einen credit history, fragt jetzt der naive Deutsche. Ganz einfach, sagt die Dame am Schalter, wenn man fuer ein paar Jahre eine Kreditkarte benutzt und keinen Unsinn gemacht hat, baut man sich nach und nach eine Historie auf. Dann bekommt man auch eine Kreditkarte.
In anderen Laendern gibt es Sprichwoerter, wie die mit dem Huhn und dem Ei. Oder es entstehen herrliche Romane wie der Hauptmann von Koepenick. In Kanada ist diese Logik gelebte Realitaet.
Ich frage mich, wieso die Kanadische Wirtschaft nicht schon damals bei den Holzfaellern und Trappern den Bach runtergegangen ist.
Aber wofuer braucht man ueberhaupt eine Kreditkarte koennte man sich jetzt fragen. Nun, das ist so...
Ich bin bei der HSBC, der viertgroessten Bank der Welt mit Hauptsitz in der Finanzmetropole London. Aber bei den anderen Banken hier in Kanada soll es wohl genauso sein. Naemlich:
Damit ich nicht jedesmal in die Bank rennen muss, bin ich natuerlich auch online Kunde, und habe das extra in der Filiale selbst beantragt. Ich kann also von zu Hause bequem Online Banking betreiben, wenn es hier das typische BC-Wetter gibt. Das kann ich tatsaechlich, das Online Banking funktioniert.
Der einzige Haken an der Sache ist, das es beim Online Banking in Kanada kein Moeglichkeit fuer Ueberweisungen gibt!!!!!
Liebe Leserin, lieber Leser, falls Sie gerade keinen alten Bordeaux zur Hand haben, lassen sie sich das auf der Zunge zergehen: Online Banking ohne Ueberweisungen! Ist das nicht ein Gaumenschmauss?
Um dann doch ein paar Ueberweisungen im Internet machen zu koennen, wie z.B. fuer Skype, habe ich mir dann eine Mastercard gekauft. Ist zwar keine Kreditkarte, sieht aber so aus. In Wirklichkeit muss man ein extra Guthabenkonto einrichten. Im Laden haben die gesagt, das es fast nichts kosten wuerde. Nachdem ich eingezahlt hatte, habe ich aber die Preisliste bekommen und es sieht wiedermal so aus, als haette ich nicht die beste Wahl getroffen.
Montag, 1. Januar 2007
Man soll die Feste feiern wie sie fallen
Bereits am 30.12. haben wir hier in der WG beschlossen etwas zu feiern. Neben mir wohnen hier noch die Brueder Piotr und Andrew. Da ihr dritter Bruder Jarek aus Toronto zu Besuch kam, wollten wir einen kleinen Umtrunk machen. Der Abend war sehr gemuetlich und lustig. Wie man vielleicht sehen kann. Wir haben sogar Marshmallows im Kamin geroestet und uns lange ueber Europa und Kanada unterhalten.
Speater sind wir dann noch weggegangen. Dabei kann man als Neuling in Kanada viel erleben.
So erfaehrt man nebenbei wie man Clubs reinkommt, bei denen 30 Leute in einer Schlange warten. Man kann auch andere interessante Erfahrungen mit Tuerstehern machen.
Zum Beispiel wenn drei Clubs in einem Haus zusammen sind, darf man zwar von einem in den anderen gehen, man darf aber kein Bier mit zuruecknehmen. Wenn man dann aber versucht aussen herum zu gehen, kann es passieren, dass einem das Bier weggeschuettet wird und man ueber Funk sofort im ganzen Haeuserblock auf die schwarze Liste kommt, weil man versucht hat Bier zu schmuggeln. Was man dann machen sollte ist, erstmal eine rauchen, die Muetze vom Kopf nehmen, die Jacke bis oben hin zu machen und es nochmal versuchen.
Und wieder war es einer dieser wundervollen Tage in Kanada, an denen ich soviel gelernt habe.
1. Bier darf man nur drinnen trinken. 2. Zigaretten darf man nur draussen rauchen. 3. Bestelle Bier in Flaschen, weil man dass in der Jackentasche verstecken kann.


