Donnerstag, 14. August 2008

Omen

Glaubst du an Omen? Vorsehung? Göttliche Fügung? Schicksal? Wie würdest du es nennen, wenn ich ausgerechnet an dem Tag, an dem ich Unterlagen und Übungsbücher für den Busführerschein besorgen möchte, meinen aller ersten Unfall habe?

Gestern morgen um 7:30, ich bin gerade in mein Auto gestiegen und 50m weit gekommen, da muss ich an einem Stoppschild halten. Die Sicht ist eingeschränkt, rechts durch parkende PKW, links durch einen parkenden LKW. Soweit ich aber links an dem LKW vorbeischauen kann, ist die Straße frei. Ich fahre bis zur sowas wie einer Sichtlinie weiter, stoppe, schaue erneut – nichts zu sehen. Ich beginne nach links abzubiegen, da kommt von links ein Auto auf mich zu, versucht auszuweichen, schafft es aber nicht und prallt mit der vorderen Ecke gegen meine Stoßstange. Personenschaden gab es keinen, aber ich werde demnächst die Rechnung bekommen und kann mich dann entscheiden, ob ich die bezahlen möchte, oder ob ich das meine Versicherung machen lasse. Wenn die Versicherung es übernehmen soll, geht aber meine Prämie hoch, und ich muss damit doch zahlen. Kosten würde es mich an Zusatz-Prämie, $1000 im ersten Jahr und dann $2500 über die naechsten vier Jahre.

Ich weiß noch nicht, wie ich mich entscheiden werde. Aber mein Bus-Projekt werde ich auf jeden Fall einer erneuten Gewissensprüfung unterziehen.

Und ich werde nie wieder über die mangelnden Fahrkünste der Kanadier meckern.

Montag, 11. August 2008

Der Erdrutsch

Der Erdrutsch, auf den Alex anspielt, ererignete sich letzte Woche auf dem Highway nach Whistler. Es war ein ziemlich großes Ding. Einige der Felsbrocken waren 20 Meter groß. Die Straße nach Whistler ist wunderschön gelegen und schmiegt sich eng an den Berg auf der Rechten und an eine Bucht im Pazifik auf der Linken. Für die Olympischen Winterspiele nun erweitert man die Straße von zwei auf vier Spuren, nach links über die Klippen und nach rechts in den Berg hinein. Das ist natürlich ein schwieriges Unterfangen. Eventuell bedingt durch die Bauarbeiten, wahrscheinlich auch unterstützt von heftigen Regenfällen und einem Erdbeben in Kalifornien, hat sich das letzte Woche ein Felsen gelößt. Der ist dann in von vielen großen und kleinen Brocken auf die Straße geknallt.

Einer unserer Busse war das letzte Fahrzeug auf der Straße. Der Busfahrer hat einen lauten Knall gehört, wie von einer Explosion. Glücklicherweise hat er nicht angehalten um nachzuschauen, sondern hat Gas gegeben, was er konnte. Die Steine haben alle Fenster auf der einen Seite zerschlagen nur nicht, das eine wo wir einen Passagier hatten. So gab es zwar reichlich Blech- und Glasschaden aber es wurde glücklicherweise niemand verletzt.

Die Polizei hat danach geschätzt, dass es vermutlich 5 Tage dauern würde, die Straße wieder frei zu bekommen. Die Felsen waren zu groß, als das man sie hätte mit Maschinen wegräumen können. Daher musste man sie erst klein sprengen. Bevor man jedoch sprengen konnte, musste man natürlich sicherstellen, dass dabei nicht noch der halbe Berg herunterkommt.

Unser Unternehmen hat daraufhin eine Ausweichroute angeboten. Die kostete jedoch statt ca. 3 Stunden etwa 9-10 Stunden auf der sehr idyllischen Landstraße, die erst vor kurzem asphaltiert wurde. Am dritten Tag hatten wir dann in Kooperation mit einem anderen Unternehmen auch Helikopterflüge angeboten. Es waren alles in allem sehr aufregende und spannende Tage.

Bilder habe ich leider keine eigenen. Aber hier könnt ein sehr gutes aus der Luft sehen.

Freitag, 8. August 2008

Mein Arbeitszimmer

Dies ist mein Arbeitszimmer, es heisst „Haltebucht 9“. Es ist sehr flexibel und lässt sich jederzeit meinen Bedürfnissen anpassen. An Tagen wo z.B. die Kreuzfahrt-Busse die hinteren Haltebuchten einnehmen, kann ich problemlos mein Arbeitszimmer nach „Haltebucht 8 oder 7“ verlegen. Mein Arbeitszimmer hat zudem modernste Ausstattung, wie zwei Cola-Automaten, die man sowohl mit Münzen als auch mit Kreditkarte bezahlen kann. Wenn ich sitze kann ich Bäume hinter den Autos und der Baustelle erkennen, gleichzeitig bin ich aber durch ein attraktives Betondach gegen Regen und Sonne geschützt. Es gehört in die Kategorie „Super-Großraumbüro“, was mir die Gelegenheit gibt jeden Tag mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen. Der größte Pluspunkt ist aber sicherlich die phänomenale Verkehrsanbindung, die Zugang per Bus und Taxi zu allen bedeutenden Städten in British Columbia und einigen in Washington bietet und darüber hinaus über Flugzeuge über 50 Städte in aller Welt ganz nah heran holt.

Meine Aufgabe ist es für gewöhnlich an „Haltebucht 9“ auf Passagiere zu warten, ihnen die vorbereiteten Tickets auszuhändigen oder neue zu verkaufen, wenn sie noch keine Reservierung haben, die Busse nach Fahrplan abzurufen und mein Bestes zu tun, dass alle Passagiere in den Bussen sind und die Busse planmäßig abfahren.

Unsere Busse fahren nach Fahrplan nach Whistler, einem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010. Zudem haben wir auch viele Charterbusse, die in die Stadt fahren, durch die Rockies oder nach Vancouver Island. Nachdem ich aber erfahren habe, dass unsere Busfahrer doppelt so viel verdienen wie ich, spiele ich gerade mit dem Gedanken meinen Busführerschein zu machen. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich mir zutraue mit diesen riesen Reisebussen durch die Stadt und entlang enger Baustellen zu fahren. Das wäre ein großer Haufen Verantwortung, von ca. $750.000 - $1Mio und etwa 56 Menschenleben. Soll ich das wirklich wagen?

Donnerstag, 31. Juli 2008

Das Fest des Lichtes

Jedes Jahr im Sommer gibt es einen besonderen Wettkampf in Vancouver. Gestritten wird darum, wer das schönste Feuerwerk machen kann. Teilgenommen haben dieses Jahr die USA, Rotchina und natürlich Kanada selbst. Jede Gruppe hat eine eigene Nacht, danach gibt es eine extra-Nacht für das Finale. Die Show wird auf dem Wasser ausgetragen, dass Gross-Vancouver durchfließt. Gespielt wird dazu Musik, die das Feuerwerk möglichst harmonisch unterstützen soll. Gestern hatten die Chinesen traditionelle chinesische Musik, Chopin und Harry Potter gewählt, um ihr Schauspiel zu untermalen – und ich muss sagen es hat gut gepasst.



Das ganze hat 25 Minuten gedauert und wurde von ca. 1,4 Mio Menschen vom Ufer aus, oder auch von einigem vom Boot,
begeistert bestaunt. Die Feuer waren groß und klein, bunt und grell, stumm, knallend oder knisternd und alle wunderbar. Gespiegelt hat sich das Spektakel zudem im Wasser und in den gläsernen Häuserfassaden von Downtown. Fotos sind mit meinem kleinen Handy leider nur sehr schwer von so etwas zu machen. Ich hoffe, ihr glaubt mir auch so, dass es sehr, sehr schön war.

Sonntag, 27. Juli 2008

Eine Rostlaube auf vier Raedern

Das Auto, von dem ich berichtet hatte, war leider keine so gute Wahl. Der erste Tag war noch in Ordnung, sonst hätte ich auch gleich den Vorbesitzer angesprochen. Aber so nach drei Tagen fingen die Probleme an. Erst ganz im Kleinen, mit einem Lämpchen hier und einem komischen Geräusch dort, dann wurde es mehr. Die Werkstatt musste ich einige Male aufsuchen. Jedesmal haben sie etwas Neues gefunden, was gemacht werden musste. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das nur am Auto lag, oder ob das Taktik war. Irgendwann war dann fast alles in Ordnung, außer, dass der Benzinverbrauch von 12 Litern auf 100 km, langsam aber stetig auf 20 Liter angestiegen ist. Herausgestellt hat sich schließlich, dass ein kleines Problemchen, von dem sie mir am Anfang gesagt hatten, es sei nicht so wichtig, den Verbrauch hochgeschraubt hatte und dass ich nun deswegen neue Zylinderköpfe bräuchte. Das habe ich dann nicht mehr machen lassen.

Aber irgendwas musste ja getan werden. Also habe ich mir das billigste Auto gekauft, dass ich finden konnte (es war gerade Monatsende). Ein Abbield dessen findet ihr hier. Ob man es in der Tat Auto nennen kann, ist dem Betrachter überlassen. Ich nenne es für gewöhnlich einen „Haufen Rost auf vier Rädern“. Es hat nur vier Gänge, und der zweite davon geht nur mit Krach rein. Nur ein Außenspiegel, das Amaturenbrett ist nur spärlich beleuchtet. Es hat so viel Rost, dass ich die Nummernschilder nicht anbringen konnte, sondern sie mit Isoband in die Fenster geklebt habe. Der Motor und der Auspuss sind so laut, dass ich kein Radio hören kann und die Gurte würden mich im Ernstfall vermutlich nicht aufhalten kann. Die Tankanzeige steht die ganze Zeit auf „leer“, weswegen ich nur anhand der gefahrenen Kilometer sehen kann, ob ich zur Tankstelle muss. Da der Kilometer-Verbrauch natürlich sehr unterschiedlich sein kann, fahre ich jetzt gerade meine zweite Tankladung auf Hochverbrauch. Ich fahre mit quietschenden Reifen an, schalte spät die Gänge hoch und früh wieder runter (außer dass der 2. Gang wie gesagt nicht gut rein geht). Ich mache was ich kann, um meinen Verbrauch bei dieser Tankfüllung hoch zu bekommen. Dann werde ich mir merken wie viele Kilometer ich damit geschafft habe und ab dem nächsten Mal gesitteter fahren.

Das ganze Schmuckstück in 20 Jahre alt und hat schon längst die 300.000 km überschritten. Aber was soll ich sagen? Seit einem Monat bringt mich diese kleine Rostlaube jeden Tag zuverlässig zur Arbeit und wieder nach Hause, und das ist weit mehr als ich von meinem alten Auto behaupten konnte.

Dienstag, 22. Juli 2008

Tablero da Gucci

Zum Beweis, dass ich auch etwas anderes mache als arbeiten, hier ein Foto, wie ich ein neues Spiel lerne. Es heisst Tablero da Gucci. Es beinhaltet neben Strategie und Glück auch die Pflicht, die Spielsteine regelmäßig auszutrinken, die wahlweise Wasser, Saft, Kaffee, oder wie im Foto Bier enthalten können.

Begeben hat sich diese Szene auf einer Party von Jason, einem Winter-Kollegen von mir. Wie ich später erfuhr, haben die Parties von Jason und seinem Mitbewohner stets mehrere Anlässe, wie diverse Geburtstage oder dergleichen. Wie man sieht kann man aber auch Spaß haben ohne die Geburtstagskinder zu kennen.

Die Regeln des Spiels könnt ihre hier nachlesen.

Ein Tourist für Touristen

Jedes Jahr gibt es in Vancouver ein interessantes Programm. Für Angestellte und Ehrenamtliche in der Tourismusindustrie gibt es vier Wochen lang die Möglichkeit mit einem weiteren Gast alle großen Sehenswürdigkeiten in Vancouver und einige namhafte Attraktionen in der Region kostenlos zu besuchen. Ich hatte die Freude auf zahlreichen meiner Trips von Cheryl, einer Freundin von Barbara und Markus, begleitet zu werden. Der Grund ist, dass Leute im Tourismus natürlich auch Multiplikatoren sind und über Freunde und Bekannte aber vor allem auch über Empfehlungen an ihre Kunden für mehr Besucher anderswo sorgt. Und was würde man eher empfehlen als etwas was man bereits selbst besucht und genossen hat. Ich finde es jedenfalls für alle Beteiligten eine herrliche Idee. Zusätzlich gibt es als Bonus, wenn man 15 oder mehr Sehenswürdigkeiten besucht hat, eine kostenlose Jahreskarte – gültig bis zur Wiederholung des Programms im nächsten Jahr.

Die beiden Fotos mit dem eigenartigen Menschen stammen aus dem ersten Fort der Hudson’s Bay Company auf dem Festland. Ein sehr interessanter Ort, in dem sich vieles der Geschichte der ersten Weißen an der Westküste und ihrem Kontakt mit den Indianern wiederfindet. Die männlichen Bewohner des Forts waren europäische und hawaiianische Soldaten und Zivilisten, die weiblichen Bewohner waren Indianerinnen der lokalen Salish. Die Eintracht und Zusammenarbeit wurde erst gestört, als man nach einigen Jahrzehnten Gold in BC fand.

Das andere Foto stammt von einem lokalen Berg auf dem ein sehr interessantes Projekt läuft. Obachlose Bärbabies werden in einem großen Freigehege aufgezogen. Leider gewöhnen sie sich dort zu sehr an die Menschen, so dass diese nie wieder in die Freiheit entlassen werden können. Das Ziel ist aber die nächste Generation wieder auszuwildern.

Wer mich also besuchen kommen möchte sollte sich schon mal auf ein paar obligatorische Führungen von mir gefasst machen.