Freitag, 8. August 2008

Mein Arbeitszimmer

Dies ist mein Arbeitszimmer, es heisst „Haltebucht 9“. Es ist sehr flexibel und lässt sich jederzeit meinen Bedürfnissen anpassen. An Tagen wo z.B. die Kreuzfahrt-Busse die hinteren Haltebuchten einnehmen, kann ich problemlos mein Arbeitszimmer nach „Haltebucht 8 oder 7“ verlegen. Mein Arbeitszimmer hat zudem modernste Ausstattung, wie zwei Cola-Automaten, die man sowohl mit Münzen als auch mit Kreditkarte bezahlen kann. Wenn ich sitze kann ich Bäume hinter den Autos und der Baustelle erkennen, gleichzeitig bin ich aber durch ein attraktives Betondach gegen Regen und Sonne geschützt. Es gehört in die Kategorie „Super-Großraumbüro“, was mir die Gelegenheit gibt jeden Tag mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen. Der größte Pluspunkt ist aber sicherlich die phänomenale Verkehrsanbindung, die Zugang per Bus und Taxi zu allen bedeutenden Städten in British Columbia und einigen in Washington bietet und darüber hinaus über Flugzeuge über 50 Städte in aller Welt ganz nah heran holt.

Meine Aufgabe ist es für gewöhnlich an „Haltebucht 9“ auf Passagiere zu warten, ihnen die vorbereiteten Tickets auszuhändigen oder neue zu verkaufen, wenn sie noch keine Reservierung haben, die Busse nach Fahrplan abzurufen und mein Bestes zu tun, dass alle Passagiere in den Bussen sind und die Busse planmäßig abfahren.

Unsere Busse fahren nach Fahrplan nach Whistler, einem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2010. Zudem haben wir auch viele Charterbusse, die in die Stadt fahren, durch die Rockies oder nach Vancouver Island. Nachdem ich aber erfahren habe, dass unsere Busfahrer doppelt so viel verdienen wie ich, spiele ich gerade mit dem Gedanken meinen Busführerschein zu machen. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich mir zutraue mit diesen riesen Reisebussen durch die Stadt und entlang enger Baustellen zu fahren. Das wäre ein großer Haufen Verantwortung, von ca. $750.000 - $1Mio und etwa 56 Menschenleben. Soll ich das wirklich wagen?

Donnerstag, 31. Juli 2008

Das Fest des Lichtes

Jedes Jahr im Sommer gibt es einen besonderen Wettkampf in Vancouver. Gestritten wird darum, wer das schönste Feuerwerk machen kann. Teilgenommen haben dieses Jahr die USA, Rotchina und natürlich Kanada selbst. Jede Gruppe hat eine eigene Nacht, danach gibt es eine extra-Nacht für das Finale. Die Show wird auf dem Wasser ausgetragen, dass Gross-Vancouver durchfließt. Gespielt wird dazu Musik, die das Feuerwerk möglichst harmonisch unterstützen soll. Gestern hatten die Chinesen traditionelle chinesische Musik, Chopin und Harry Potter gewählt, um ihr Schauspiel zu untermalen – und ich muss sagen es hat gut gepasst.



Das ganze hat 25 Minuten gedauert und wurde von ca. 1,4 Mio Menschen vom Ufer aus, oder auch von einigem vom Boot,
begeistert bestaunt. Die Feuer waren groß und klein, bunt und grell, stumm, knallend oder knisternd und alle wunderbar. Gespiegelt hat sich das Spektakel zudem im Wasser und in den gläsernen Häuserfassaden von Downtown. Fotos sind mit meinem kleinen Handy leider nur sehr schwer von so etwas zu machen. Ich hoffe, ihr glaubt mir auch so, dass es sehr, sehr schön war.

Sonntag, 27. Juli 2008

Eine Rostlaube auf vier Raedern

Das Auto, von dem ich berichtet hatte, war leider keine so gute Wahl. Der erste Tag war noch in Ordnung, sonst hätte ich auch gleich den Vorbesitzer angesprochen. Aber so nach drei Tagen fingen die Probleme an. Erst ganz im Kleinen, mit einem Lämpchen hier und einem komischen Geräusch dort, dann wurde es mehr. Die Werkstatt musste ich einige Male aufsuchen. Jedesmal haben sie etwas Neues gefunden, was gemacht werden musste. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das nur am Auto lag, oder ob das Taktik war. Irgendwann war dann fast alles in Ordnung, außer, dass der Benzinverbrauch von 12 Litern auf 100 km, langsam aber stetig auf 20 Liter angestiegen ist. Herausgestellt hat sich schließlich, dass ein kleines Problemchen, von dem sie mir am Anfang gesagt hatten, es sei nicht so wichtig, den Verbrauch hochgeschraubt hatte und dass ich nun deswegen neue Zylinderköpfe bräuchte. Das habe ich dann nicht mehr machen lassen.

Aber irgendwas musste ja getan werden. Also habe ich mir das billigste Auto gekauft, dass ich finden konnte (es war gerade Monatsende). Ein Abbield dessen findet ihr hier. Ob man es in der Tat Auto nennen kann, ist dem Betrachter überlassen. Ich nenne es für gewöhnlich einen „Haufen Rost auf vier Rädern“. Es hat nur vier Gänge, und der zweite davon geht nur mit Krach rein. Nur ein Außenspiegel, das Amaturenbrett ist nur spärlich beleuchtet. Es hat so viel Rost, dass ich die Nummernschilder nicht anbringen konnte, sondern sie mit Isoband in die Fenster geklebt habe. Der Motor und der Auspuss sind so laut, dass ich kein Radio hören kann und die Gurte würden mich im Ernstfall vermutlich nicht aufhalten kann. Die Tankanzeige steht die ganze Zeit auf „leer“, weswegen ich nur anhand der gefahrenen Kilometer sehen kann, ob ich zur Tankstelle muss. Da der Kilometer-Verbrauch natürlich sehr unterschiedlich sein kann, fahre ich jetzt gerade meine zweite Tankladung auf Hochverbrauch. Ich fahre mit quietschenden Reifen an, schalte spät die Gänge hoch und früh wieder runter (außer dass der 2. Gang wie gesagt nicht gut rein geht). Ich mache was ich kann, um meinen Verbrauch bei dieser Tankfüllung hoch zu bekommen. Dann werde ich mir merken wie viele Kilometer ich damit geschafft habe und ab dem nächsten Mal gesitteter fahren.

Das ganze Schmuckstück in 20 Jahre alt und hat schon längst die 300.000 km überschritten. Aber was soll ich sagen? Seit einem Monat bringt mich diese kleine Rostlaube jeden Tag zuverlässig zur Arbeit und wieder nach Hause, und das ist weit mehr als ich von meinem alten Auto behaupten konnte.

Dienstag, 22. Juli 2008

Tablero da Gucci

Zum Beweis, dass ich auch etwas anderes mache als arbeiten, hier ein Foto, wie ich ein neues Spiel lerne. Es heisst Tablero da Gucci. Es beinhaltet neben Strategie und Glück auch die Pflicht, die Spielsteine regelmäßig auszutrinken, die wahlweise Wasser, Saft, Kaffee, oder wie im Foto Bier enthalten können.

Begeben hat sich diese Szene auf einer Party von Jason, einem Winter-Kollegen von mir. Wie ich später erfuhr, haben die Parties von Jason und seinem Mitbewohner stets mehrere Anlässe, wie diverse Geburtstage oder dergleichen. Wie man sieht kann man aber auch Spaß haben ohne die Geburtstagskinder zu kennen.

Die Regeln des Spiels könnt ihre hier nachlesen.

Ein Tourist für Touristen

Jedes Jahr gibt es in Vancouver ein interessantes Programm. Für Angestellte und Ehrenamtliche in der Tourismusindustrie gibt es vier Wochen lang die Möglichkeit mit einem weiteren Gast alle großen Sehenswürdigkeiten in Vancouver und einige namhafte Attraktionen in der Region kostenlos zu besuchen. Ich hatte die Freude auf zahlreichen meiner Trips von Cheryl, einer Freundin von Barbara und Markus, begleitet zu werden. Der Grund ist, dass Leute im Tourismus natürlich auch Multiplikatoren sind und über Freunde und Bekannte aber vor allem auch über Empfehlungen an ihre Kunden für mehr Besucher anderswo sorgt. Und was würde man eher empfehlen als etwas was man bereits selbst besucht und genossen hat. Ich finde es jedenfalls für alle Beteiligten eine herrliche Idee. Zusätzlich gibt es als Bonus, wenn man 15 oder mehr Sehenswürdigkeiten besucht hat, eine kostenlose Jahreskarte – gültig bis zur Wiederholung des Programms im nächsten Jahr.

Die beiden Fotos mit dem eigenartigen Menschen stammen aus dem ersten Fort der Hudson’s Bay Company auf dem Festland. Ein sehr interessanter Ort, in dem sich vieles der Geschichte der ersten Weißen an der Westküste und ihrem Kontakt mit den Indianern wiederfindet. Die männlichen Bewohner des Forts waren europäische und hawaiianische Soldaten und Zivilisten, die weiblichen Bewohner waren Indianerinnen der lokalen Salish. Die Eintracht und Zusammenarbeit wurde erst gestört, als man nach einigen Jahrzehnten Gold in BC fand.

Das andere Foto stammt von einem lokalen Berg auf dem ein sehr interessantes Projekt läuft. Obachlose Bärbabies werden in einem großen Freigehege aufgezogen. Leider gewöhnen sie sich dort zu sehr an die Menschen, so dass diese nie wieder in die Freiheit entlassen werden können. Das Ziel ist aber die nächste Generation wieder auszuwildern.

Wer mich also besuchen kommen möchte sollte sich schon mal auf ein paar obligatorische Führungen von mir gefasst machen.

Montag, 5. Mai 2008

Wie wichtig bin ich für Kanada?

Ja (siehe Kommentar), meine Chancen für eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis steigen, gleichwohl ist es nicht sicher. Mein Arbeitgeber hat bereits für mich eine sogenannte Labourmarket Opinion (Arbeitsmarktbeurteilung) beantragt. Wenn ein Arbeitgeber denkt, sein Arbeitnehmer ist von besonderer Wichtigkeit, nicht nur für das Unternehmen, sondern für den Arbeitsmarkt und Kanada im Allgemeinen, kann er bei der Regierung beantragen, dass eben dies schriftlich bestätigt wird. Mit einer solchen Bestätigung bekommt man dann praktisch 100%ig sicher ein Arbeitsvisum für diesen Arbeitgeber, und es steigen auch die Chancen (und sinken die Bearbeitungszeiten) für eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.

Wenngleich eine solche Arbeitsmarktbeurteilung durchaus nicht unmenschlich schwer zu erlangen ist, so legen die Behörden dennoch großen Wert darauf, dass bestimmte Parameter erfüllt sind. So sollte es in einer Branche sein, die einen Arbeitskräftemangel hat (fast praktisch alle Branchen in Kanada umfasst), der Kandidat sollte für den Job geeignet sein und die Bezahlung sollte in etwa kanadischem und Branchendurchschnittslohn entsprechen. Natürlich muss auch das Unternehmen selbst bestimmte Anforderungen erfüllen, wie mindestens zwei Jahre im Betrieb sein, Profit erwirtschaften können und dergleichen. Es ist also durchaus nicht bloß eine Formalität und die Chancen, dass es etwas zu beanstanden gibt sind durchaus gegeben. Wie dem auch sei, in den nächsten sechs bis acht Wochen müsste ich da bescheid wissen. Wenn ich die Genehmigung habe, steht einem dauerhaftem Aufenthalt eigentlich nichts mehr im Wege. Wenn nicht, ist das nicht das letzte Wort, wird aber alle verkomplizieren und verlangsamen. Also drückt mir die Daumen.

Samstag, 5. April 2008

Arbeit, Arbeit, Arbeit und wie man zu ihr kommt

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum ich in letzter Zeit nicht habe viel von mir hören lassen. Zuallererst kann ich wohl sagen, dass mein Job im letzen Jahr optimal für online Kommunikation war. Ich war den ganzen Tag zu Hause, habe am Computer gearbeitet und praktisch nichts anderes gesehen außer meinem Bildschirm. In meiner Freizeit war ich dann natürlich auch zu Hause und habe weiter am Computer gesesessen. So war der Computer meistens 16 Stunden am Tag an. Nicht wirklich interessant für die meiste Zeit, aber eine sehr gute Gelegenheit mit euch in Deutschland und dem Rest der Welt in Kontakt zu bleiben.

Mit meiner Rückkehr nach Kanada dieses Jahr hat sich das geändert. Ich arbeite jetzt für ein Busunternehmen am Flughafen. Wir haben Reisebusse und bringen Leute nach Whistler einem kleinem Ort in den Bergen, überwiegend zum Skifahren. Im Winter ist daher weit mehr los als im Sommer, weswegen unsere Schichten regulär neun Stunden lang sind. Da aber manchmal Flüge verspätet sind, Kollegen krank sind oder einfach viel zu tun ist, kam es bestimmt einmal die Woche vor, dass aus den neun Stunden zehn oder mehr wurden.

Aber damit war der Tag für mich noch nicht zu Ende. Die meisten Flughäfen haben es ja an sich, dass sie nicht mitten in der Stadt sind, sondern eher außerhalb, so auch in Vancouver. Es wird derzeit emsig eine Hochbahnlinie aus der Innenstadt zum Flughafen gebaut. Aber die soll erst kurz vor den Olympischen Winterspielen 2010 in Betrieb genommen werden. Derzeit ist daher die einzige Möglichkeit zur Arbeit zu kommen drei Busse zu nehmen. Mit Warten auf den Bus und allem drum und dran dauerte so die Fahrt zur Arbeit etwa 1,5 Stunden. Das heißt an einem regulären Tag war ich 12 Stunden unterwegs. Wenn ich dann nach Hause kam, war ich meistens müde und kaputt, habe gegessen, ein wenig fern geschaut und bin dann schlafen gegangen.

Um das ein wenig zu ändern habe ich mir gedacht muss ein Paradoxon her. Wenn ich noch mehr arbeiten würde, könnte ich mir ein Auto leisten, was mir dann wiederum mehr Freizeit bringen würde. So habe ich dann seit Januar sieben Tage die Woche gearbeitet. Nicht alle voll, aber doch alle so, dass ich mitunter Schwierigkeiten hatte, meine Einkäufe zu tätigen oder meine Wäsche waschen zu gehen. Wenn ich dann fertig mit der täglichen Arbeit war, war ich wirklich fertig und hatte keine Muße mehr noch irgendwas am Computer zu machen. So verbrachte mein Blog, Facebook-Anfragen stapelten sich und Emails blieben unbeantwortet.

Nun habe ich es aber geschafft mir tatsächlich ein Auto zu kaufen. Eigentlich hatte ich nur nach japanischen oder deutschen Autos geschaut. Aber dann sah ich ein amerikanisches, dass sich sehr günstig angehört hat. Da dachte ich mir, für den Preis ist es einen Versuch wert. Es sieht ziemlich genau so aus, wie auf dem Bild, außer dass aus unbekanntem Grund die Farbe abblättert, was etwas komisch aussieht.

Zwei Tage nachdem ich den Wagen dann gekauft hatte fingen die Probleme an. Im Endeffekt habe ich fast soviel Geld in den letzten drei Wochen in Reparaturen gesteckt, wie der Wagen ursprünglich gekostet hat. Woraus ich zwei Sachen gelernt habe: 1. Wenn ein Angebot zu günstig aussieht um wahr zu sein, könnte das tatsächlich der Fall sein, und 2. kaufe nie wieder ein amerikanisches Auto.

Trotz allem läuft der Wagen jetzt, und ich spare nicht nur fast eine Stunde pro Arbeitswegs, ich kann auch meine Einkäufe auf dem Nachhauseweg erledigen. In zwei Wochen fängt dann bei uns der Sommerfahrplan an, mit dem ich dann erstmalig eine fünf-Tagewoche haben werde. Solange mein Auto durchhält könnt ihr also in Zukunft etwas mehr von mir erwarten als in der jüngeren Vergangenheit. Bis bald.

(picture public domain)